Name: Freeduc-Games
Version: 1.6
Art: LiveCD
Homepage: http://www.ofset.org/freeduc-games
ISO-Größe: 646MB
Wow, schon zwei Wochen her, seit ich die ‘live.linux-gamers.net‘-LiveDVD vorgestellt habe. In einem kleineren Abstand hätte ich auch keine weitere Distro mit konkretem Spielebezug vorstellen können, denn diese sind extrem rar gesät. Genauer gesagt habe ich nach dieser hier schon gar keine mehr parat, denn es gibt nur eine Handvoll davon, von denen die Hälfte sich auf überaus mittelprächtige Spiele konzentriert, die man unter Windows nicht mal auf einem dieser grauenhaften Shareware-Sampler finden würde, und die andere Hälfte irgendwo in den Weiten des Cyberspace verschollen ist, wie die beiden potentiell vielversprechenden Projekte ‘Jollix’ und ‘Games Knoppix’.
Lustigerweise basiert ‘Freeduc-Games’ ebenso auf Knoppix wie diese beiden, hat aber in der direkten Verwandschaft mit der Standard-Edition ‘Freeduc’ auch eine außerordentliche Distribution. Deren Fokus liegt nämlich darin, ein Linux für Kinder vom Grundschulalter aufwärts zu bieten und von dem, was ich auf Screenshots gesehen habe und über die Features weiß, scheinen sie da wirklich gute Arbeit geleistet zu haben. Sieht nett aus und bietet eine gesunde Mischung aus kleinen Spielen und Lernsoftware. Das Konzept wurde außerdem von der UNESCO quasi geadelt, indem sie es als beispielhaft hervorgehoben und sich an der Entwicklung der aktuellen Version beteiligt haben. Wirklich eine sympathische Distro. Spiele aus der regulären Edition kommen in F-G nicht vor, hier gibt es auch rein gar nichts, das mit eiterbildung zu tun hat, sondern ausschließlich gute Unterhaltung mit fast aufs Exemplar genau fünfzig Spielen aus allen bekannten Genres, die das Beste beinhalten, das die Open Source-Szene hergibt. [Ja, ich meine SELBSTVERSTÄNDLICH Liquid War.]
Installation: Sollte nicht möglich sein, wenn ich das richtig gesehen habe und ich gehe fest davon aus, es richtig gesehen zu haben, weil ich das Menü zweimal komplett durchgegangen bin und “sudo knoppix-installer” nicht funktioniert. Das bedeutet auch, dass es wohl keinen Weg, Spieldaten und Speicherstände zu behalten. Ich muss schon sagen, bei der LLGN-DVD war das sehr elegant gelöst mit dem Übertragen auf einen USB-Stick. Schade, dass man damals noch nicht auf so etwas gekommen ist.
Hardware-Erkennung: Wenn ich wollte, könnte ich diesen Abschnitt mit einem nach linux.com-Art ausschweifenden Bericht anfüllen, der detailliert jeden noch so kleinen Schritt meiner Hardware-Intrikationen beschreibt und vermutlich keinen Menschen interessiert, nicht einmal die Entwickler der Distro, die damit gegebennfalls etwas verbessern könnten. Daher gewohnt knackig: nach dem ersten Booten der LiveCD blieb mein PC unvermittelt beim Aufbauen des Desktops stehen und zeigte mir unverhohlen den schwarzen Bildschirm. Ich also diverse Bootoptionen durchprobiert, darauf hoffend, damit die Quelle des Problems finden zu können, doch ohne Erfolg. Erst mit “failsafe”, dem kompletten Verzicht auf automatische Hardwareerkennung, leuchtete ein Eilzug am Ende des Tunnels und der Bootvorgang ging erfolgreich zu Ende. Der einzige Unterschied, der mir auf Anhieb auffiel, war, dass der X-Server für meine GeForce nicht wie sonst den “nv”-Treiber, sondern den Ich-weiß-nicht-weiter-”vesa”-Treiber geladen hatte. Als halbwegs logisch scheinende Konsequenz baute ich spontan die GeForce aus und meine alte ATI Rage ein. Kein Unterschied, wieder an der selben Stelle aufgehängt. Bevor das Ganze doch noch ausartet: es war die Soundkarte. Kaum hatte ich die ausgebaut, startete F-G ohne jegliches Murren und mit *beiden* Grafikkarten mit ihren jeweiligen nativen Treibern. Eine Erklärung dafür kann ich leider nicht liefern, denn die Soundkarte ist schon relativ alt und wurde bisher bis auf ein, zwei Ausnahmen immer und überall korrekt erkannt, zuletzt ja auch nochmal in Knoppix selbst. Seltsam.
Software: Es erfordert nicht viel Vorstellungsvermögen zu erkennen, dass der meiste Platz auf der CD für die vielzähligen Spiele reserviert ist, doch auch einige gewöhnliche Programme sind vorhanden, einige davon Knoppix-Relikte, andere speziell hinzugefügt. Der durchschnittliche Spieler wird mit der Mehrheit davon nur wenig machen wollen, denn aus Platzgründen bekommen wir so gut wie nur Kommandozeilen- und ASCII-Programme, die eine richtige Ausstattung höchstens dann ersetzen kann, wenn man einen Jahr 2000-Gedenk-Desktop haben möchte. Lo Ola-fördende Ausnahmen: Firefox, xmms und xine, also kann man immerhin auch einigermaßen komfortabel im Netz surfen, Videos anschauen und Musik hören. Falls die Soundkarte richtig funktioniert natürlich nur.
Die Spiele sind in folgende Kategorien eingeteilt:
Adventure
-Beneath a Steel Sky
Ziemlich gute Science Fiction-Geschichte mit vielen knackigen Rätseln. Beide Spiele sind erst vor einiger Zeit frei verfügbar geworden, ich hatte früher tatsächlich das Original von BASS und ich hatte nie viele Adventures in meinem Besitz.
-Flight of the Amazon Queen
Durchschnittlich. Versucht für meinen Geschmack ein wenig zu startk so zu sein wie die alten ‘Indiana Jones’-Adventures. Immerhin ohne Nazis.
-ScummVM
Kein Spiel im eigentlichen Sinn, sondern eine Engine zum Abspielen klassischer Adventures. Lohnt sich eigentlich nur, wenn man die ISO bearbeitet und neben BASS/FOTAQ weitere Adventures hinzugefügt hat.
Arcade
-AirStrike +
Simples aber cooles kleines Spiel, in dem man mit einem Doppeldecker ein Duell mit einem gegnerischen Doppeldecker ausficht. Besonders zu zweit echt spaßig.
-Arcade Volleyball -
Alles Negative, was ich über ‘Blobby2′ gesagt hätte, könnte ich hierzu auch sagen, nur dass AV den erweiterten Bonus geniesst, dass es auch noch richtig derbe mies aussieht. Bloss weg.
-Atomic Tanks ++
Spitzenspiel, das das Gameplay eines meiner Lieblings-Klassiker, ‘Scorched Earth’, aufgreift und mit diversen neuen Waffen und zeitgemäßer Grafik modernisiert. Mehr davon.
-Blob Wars: Metal Blob Solid ++
Vorher nie davon gehört und das war ein echter Verlust. Clever designte Levels mit diversen unterschiedlichen Zielen in einem der besten Platformer, die man für lau finden kann. Außerdem: teuflisch intelligente Gegner, ein Haufen Waffen und riesige herumspritzende Blutfontänen. In DIESER Reihenfolge.
-BurgerSpace
‘Burger Time’-Remake. War das damals auch schon so schwer?
-ClanBomber -
Nicht sehr überzeugender ‘Bomberman’-Klon mit frickeligem Gameplay und allenfalls zweckmäßiger Grafik.
-Holotz’s Castle
Netter Platformer mit toller Optik, den ich noch von der Windows-Version her kenne.
-Jump’n'Bump +
Der Tatsache zum Trotz, dass man nichts weiter macht, als sich mit Hoppelhasen und ähnlich knuffeligem Getier gegenseitig auf die Birne zu springen, eines der kultigsten “friedlichen” Deathmatch-Spiele.
-LBreakout2
Auch wenn der vor Unkreativheit strotzende Name es nicht gerade vermuten lässt, LB2 ist ein sehr ordentlich gemachtes Spiel, das auch per Netzwerk mit mehreren Spielern gespielt werden kann.
-Luola ++
Ich hatte ja keine Ahnung, dass es sogar für Linux Caveflier gibt und dieses Exemplar gehört ohne jede Frage zu den besten Vertretern dieser austerbenden Spezies. Nur der Spieler und sein kleines V-förmiges Raumschiff gegen Wind, Landschaft, Wasserfälle und Schwerkraft. Den/die Gegner mit einem Arsenal tödlicher Waffen gibt es natürlich auch noch.
-Pachi el Marciano
Die Abenteuer eines faulen Marsianers klangen eigentlich ganz unterhaltsam, aber nach dem Intro ist mir das Spiel immer abgestürzt. Woe is me.
-Powermanga ++
Unheimlich feiner Vertikalscroller, der geschickt Elemente von STG-Klassikern wie ‘Galaga’ und ‘Space Invaders’ mit ‘Gradius’ vermischt.
-Sabre -
Uh, sowas wie eine actionreiche Flugsimulation? Bei weitem nicht an ‘gl-117′ heranreichend und das hatte schon einige Mängel.
-Solarwolf +
Ausgefallenes Gameplay, bei dem man als Pilot eines Raumgleiters versuchen muss, in der Mitte des Spielfeldes eine Reihe von Blöcken aus dem Weg zu schaffen und gleichzeitig dem Beschuss von vier feindlichen Schiffen ausweichen, von denen auf jeder Seite des Feldes einer schneller und schneller seine Kreise zieht. Erinnert mich ein klein wenig an den Geheimfavoriten langer Jahre ‘Elk Attack‘.
-Super Tux
Ugh. Ich will nicht sagen, dass es schlecht ist, aber es reiht sich in die Reihe der ziemlich dem Gegenteil von “berauschend” entsprechenden Spiele mit “Tux” im Namen nahtlos ein.
-Technoballz
Breakoutinspiriertes Spiel mit futuristischem Thema.
-Toppler
Remake von einem C64-Spiel namens ‘Nebulus’, bei dem ich damals schon die halbe Zeit draufgegangen bin. Und dann ist es auch noch auf Französisch.
-TuxPuck
‘Shufflepuck Café’-Klon. Was gut ist. Nur mit zwei Computergegnern. Was schlecht ist.
-XPilot
In-Game startete nicht. Wirkte auf mich wie ein weiterer nicht besonders guter Flugsimulator.
-XTux -
Eine 2D-Overhead Shooter, in dem unser freundlicher Pinguin mit entschieden zu groß geratenen Schneebällen Zombiemassen über den Haufen schießt. Nicht weiter darüber nachdenken, einfach weiterlesen.
Board
-eBoard
Die Referenz für Schachprogramme unter Linux. Mitgeliefert werden gleich zwei Schachengines als Computergegner, das langsame und gründlichere Sjeng sowie Blitzschach-Großmeister GNUChess in Code.
-GNU Chess
Solange man nicht SEHR große Sehnsucht nach ASCII hegt, sollte man diese minimalste grafische Umsetzung links liegen lassen und das GNU mittels eBoard zum Duell fordern.
-GNU Go
Wah! Man kann ein komplettes Go-Brett in ASCII darstellen? Schockierend.
-cgoban
Aaah. Viel angenehmer. Sogar in Farbe und mit Menü, in dem man etwas anklicken kann. Wie en vogue.
-Do’SSi’Zo’la ++
Ein Name, den man nicht so schnell vergisst und ein dazu passendes ungewöhnliches Spiel, bei dem man versuchen muss, seinen Gegner so in die Enge zu treiben, dass er keinen Zug mehr ausführen kann. Mehr als einen Blick wert.
Card
-xmj
Mah-Jong. Bevor irgendjemand aufspringt und brüllt “Mahjongg ist doch gar kein KARTENSPIEL!”, es handelt sich hierbei nicht um das *entspannende* Mahjongg, sondern um das adrenalin- und unerwartete Küchenmesserattacken fördernde Mah-Jong, welches man mit mehreren Spielern spielt und das in Asien eines der beliebtesten Gesellschaftsspiele ist. Natürlich ist es dadurch immer noch kein KARTENSPIEL …
Puzzles
-Atomix
‘Atomix’-Remake, natch.
-Enigma +
‘Oxyd’-Remake und -Erweiterung mit der Möglichkeit, nahezu unbegrenzt viele Levels zu verwalten. Oh boy, da geht sie dahin, meine Freizeit.
-Fish Fillets
Trainiert logisches Denkvermögen und Koordinatonsfähigkeit. Meine Pädagogikanmerkung für heute. Sachdienliche Hinweise: Die Sprache kann man in den Optionen auf Englisch oder Deutsch ändern, wenn man Französisch redende Fische bescheuert findet.
-Gtans
Ist das ein…Tangram? Als Kind mochte ich die immer sehr gerne eigentlich. Allerdings in echt und nicht am Computer.
-LMarbles
Noch ein ‘Atomix’-Remake. Einfallsloser Name. Atomix war viel kreativer. Ehrlich.
-Mirror Magic II
‘Deflektor’-Remake. Bin ich das oder gibt es nicht so umwerfend viele neue Ideen bei den Denkspielen hier?
-Pathological
Buhu, das einzigste Spiel auf der CD, das gar nicht startete. Wirklich unerfreulich für mich als großen Fan des Originals ‘Logical’, einem von Rainbow Arts’s größten Sleeper Hits.
-Rocks’n'Diamonds
Na, wer hat sich denn da wieder als ‘Boulder Dash’ verkleidet? Tsk, tsk, tsk. Dafür stellst du dich jetzt für den Rest der Stunde in die Ecke.
Strategy
-Advanced Strategic Command
Eindeutig inspiriert von der ‘Battle Isle’-Reihe. Bietet komplexe Hexfeld-Strategie für Veteranen.
-FreeCIv
Hallo, ‘Civilization II’. Letztes Mal sahst du aber etwas gesunder aus und warst wesentlich umgänglicher.
-GNU Robbo
Porterung eines 89′er Atari-Spiels. Für sein Alter spielt es sich sogar noch zeimlich gut.
-Invasion - Battle for Survival
Das erste richtige Spiel, das mit der freien Stratagus-Engine entwickelt wurde und circa auf dem spielerischen Niveau von ‘Command & Conquer’ und ‘Warcraft 2′ ist.
-LGeneral
‘Panzer General’ scheint immer noch viele Fans zu haben, wenn man sich diesen Klon hier betrachtet. WWII-Schlachten meets Hexfelder. Nichts für mich.
-Liquid War +++
Kiiiya. Allein für dieses Spiel hat es sich gelohnt, die CD zu brennen. Yay. Hier übrigens auch besser erst in den Optionen die Sprache ändern.
-Pingus +
Überraschend hochwertiger ‘Lemmings’-Klon. Die Spielmechanik könnte hier und da noch etwas Feinabstimmung vertragen, alles in allem aber bereits fast kommerzielle Qualität.
-Wesnoth
Argh, die einzige Sprache, die man nehmen kann, um nicht wirklich auf Französisch spielen zu müssen, ist English (US). Oh, vielleicht noch wichtig zu wissen, dass die Version von Wesnoth hier gut zwei Jahre älter ist als die auf der LLGN-LiveDVD und definitiv langsamer läuft.
-Widelands
Und zum Abschluss, wie könnte es anders sein, noch ein…Klon. Von unser aller Lieblings-Knuddel-Strategiespiel ‘Die Siedler’. Kommt dem Original extrem nahe.
Tetris-like
-cuyo
Ahaha, fetter Titel. Was geht, Alter? Das Gameplay knallt underberweise nicht so voll rein, sondern ist ein reines ‘Puyo Puyo’ ohne Neuerungen.
-Frozen Bubble
Wer das noch nicht kennt, der muss blind und taub sein UND keine Braille-Schrift lesen können. Think ‘Bust A Move’ mit Pinguin. Zum zweiten Mal ist es einen Hinweis wert, dass die verwendete Version mittlerweile überholt ist. Lies: es ist ‘Frozen Bubble’, nicht ‘Frozen Bubble II’.
Die ersten zwei Stunden: In der Hoffnung, diesen Bericht nicht ganz so lange wirken zu lassen wie er in Wirklichkeit unvertuschbar ist, beschränke ich mich darauf zu sagen, dass ich einen ungemein angenehmen Nachmittag mit dem Testen dieser CD verbracht hatte, mir einige Spiele exorbitant zugesagt haben und ich sie bestimmt auch abseits von F-G noch einmal spielen werde. (Zur Sicherheit: Es sind die mit den Pluszeichen hinter ihrem Namen, falls ihr stalkermäßig herausfinden möchtet, welche Spiele mir am besten gefallen haben.)
Fazit: Den nicht zu verachtenden Aufwand am Anfang, um überhaupt erstmal vernünftig booten zu können, hat Freeduc-Games mir tausendfach zurückgezahlt. Mit 48 Spielen, von denen allein 12 meine persönliche Empfehlung erhalten, weil sie besonders gut sind und nur magere vier sich negativ vom Rest abheben, erhebt sich F-G einem Kolossus gleich über die gesamte Konkurrenz. Das Einzige, das man den Entwicklern ankreiden könnte, ist die nicht wirklich nachvollziehbare Entscheidung, die Dsktopumgebung ausschließlich auf Französisch anzubieten und in dem Quicklaunch-Dock irreführende Verknüpfungen angelegt zu haben. Weil jedoch die meisten Benutzer sowieso eher das gute alte Rechtsklick-Menü verwenden werden und die Spiele dort in guter, leicht zu überschauender Ordnung aufgelistet sind, macht sich das in der Gesamtwertung nur marginal negativ bemerkbar. Insgesamt eine bewundernswerte Distro mit einer so geschmackvollen Spieleauswahl, dass sie den 2D-Bereich beinahe genauso perfekt abdeckt wie LLGN selbiges mit dem 3D-Bereich gelungen ist. Wunschtraum: F-G und LLGN irgendwie zu einer vereinten ULTIMATIVEN Spiele-Live-DVD kombinieren. Oh, was für eine Vorstellung.
