Name: Minibuntu
Version: 7.10
Art: LiveCD + Normal
Homepage: http://minibuntu.crealabs.it/
ISO-Größe: 138MB
So, sehr geehrte Kundschaft, nach über zwei Wochen um den heißen Brei herumlaufen muss ich dann dann doch einmal meinen Senf dazugeben und die von der halben Welt als Creme de la Creme verherrlichte *buntu-Reihe von Linux-Distros zu Hackfleisch verarbeiten. Wie mancheiner meiner Gäste weiß, war ich in den letzten Wochen als Restaurantkritiker in diversen Etablissemments vom der kleinsten Sushibude bis zum größten Anbieter von Weißwurst unterwegs und habe mir unzählige Gerichte auftischen lassen, von denen viele schmackhaft waren, einige ganz okay und ein paar wenige das kalte Grausen schlechthin. Als einer unter vielen ausgemachten Gourmets bin ich sicherlich nicht der erste, der ein Haar in der Suppe findet, aber ich möchte zumindest für diesen Stammtisch hier festhalten, dass meiner bescheidenen (aber wohlfundierten) Meinung nach keines der *buntus am schmackhaftesten ist, oder die hübscheste Aussicht bietet, oder die am besten ausgewählteste Innenausstattung hat. Als Mann vom Fach weiß ich zu würdigen, mit welcher Sorgfalt die Canonical-Weißmützen das traditionelle Debian-Rezept verfeinert haben, der letzte Schuss Würze fehlt aber eindeutig noch, wenn die echten Gourmets Appetit darauf bekommen sollen. Und was liegt näher, als sich auf die gute alte Küchenweisheit “Viele Köche verderben den Brei” zu besinnen und sein eigenes Süppchen zu kochen?
Genug der kulinarischen Allegorien. Genau diese eben metaphorisch angedeutete Abmagerungskur Reduzierung lässt sich mit einem Projekt namens Minibuntu angeblich gar vorzüglich umsetzen, weil dieses sämtlichen unnötigen Speck Ballast rausgeschmissen hat und nurmehr ein ganz und gar abgeschlacktes Kernsystem enthält. Nun denn, werfen wir einen Blick auf die Vorher/Nachher-Bildergalerie.
Installation: Aus irgendeinem Grund hätte ich diese Kategorie dieses Mal wirklich gerne als letzte, weil sie als krasse Ausnahme ein einziges Mal zu einem richtigen Problem wird. Das einzige, was es an Grafik noch in Minibuntu gibt, das ist der Ladebalken beim Booten. Der Rest ist kalte, schwarze Geflügelleber Kommandozeile. Ganz recht, wenn man irgendetwas mit Minibuntu anfangen will, muss man sich erst selbst um einen Dateimanager kümmern. Ah, ich meine, als allererstes natürlich um einen Fenster-Manager. Nein, halt, ZUERST selbstverständlich um einen X-Server, damit man überhaupt IRGENDWELCHE grafischen Programme benutzen kann. Tjaja, es ist schwer, das Leben als Reaktionär.
Hardware-Erkennung: Einfach gesagt: Sämtliche Hardware, die unter einem anderen *buntu erkannt wurde, wird auch in Minibuntu erkannt. Schwer gesagt: Alles, mit dem ein anderes *buntu Probleme hatte, mit dem hat auch Minibuntu zum überwiegenden Teil Probleme, wie mir anhand meiner Netzwerkkarte deutlich gemacht wurde.
Software: Wie bereits erwähnt, es gibt 0 Programme, die in Minibuntu enthalten sind. Das heißt zero, nada, nix. DIe Welt ist weit gekommen, wenn nicht mal mehr für den uralten Midnight Commander ein Plätzchen frei war. Insgesamt sind zwar fast hundert Pakete noch in Minibuntu enthalten, diese sind allerdings ohne Ausnahme Treiber und Systemdateien. Da wird selbst so etwas wie eine proprietäre Firmware für die AVM Fritzbox zum Highlight.
Die ersten zwei Stunden: Obwohl ich mich nicht erinnern könnte, schon einmal etwas Vergleichbares unternommen zu haben, wollte ich es wirklich versuchen und von Grund auf ein ganzes System zusammenfrickeln. Nachdem ich dann eine Dreiviertelstunde mit dem Versuch zugebracht habe, den X-Server vernünftig zu konfigurieren, ist mir eingefallen, dass ich eigentlich wirklich kein großer Freund von *buntu bin und sehr wahrscheinlich auch ein vollkommen von mir höchstselbst zusammengestelltes Minibuntu nicht richtig benutzen würde. Dieser Gedanke war tödlicher für meine Bemühungen als tausend Mousse au chocoláts Pizzen Elefanten (?!).
Fazit: Für diejenigen, die ubuntu mögen, aber der Ansicht sind, dass es so viel überflüssiges Zubehör enthält, dass man schneller sein Wunsch-*buntu zusammengestellt hat, wenn man von Null anfängt und die nötigen Pakete selbst installiert als wenn man alle die deinstalliert, die man nicht haben möchte; und auch willens ist, eine nicht unerhebliche Zeitmenge in den Aufbau hineinzustecken, für die könnte Minibuntu das Zeug zum neuen Leibgericht Gott Liebling haben. Als kleinen Tipp sei gesagt, dass man außer bei übergroßer Langeweile nicht versuchen sollte, von der Kommandozeile aus irgendwelche Pakete herumterzuladen, sondern stattdessen unter einer anderen Distro die gewünschten Pakete einfach zu der ISO-Datei hinzufügt (z.B. bei Knoppix mit isomaster). Oder man kann es sich _ganz_ einfach machen und auf den Reconstructor zurückgreifen.
