Name: Slax KillBill Edition
Version: 5.1.8.1
Art: LiveCD
Homepage: http://slax.hosting4p.com/
ISO-Größe: 204MB
Ha, es ist NICHT SO WIE ES AUSSIEHT. Trotz des verlockenden Namens ist SKBE ausschließlich (und ich betone ausschließlich) wegen seiner Qualitäten hier gelandet. Selbst wenn ich nichts für ‘Kill Bill’ übrig haben würde, hätte mich das Entwicklungsziel dieser Distro auf sie aufmerksam gemacht. Es will eine Desktopumgebung zur Verfügung stellen, die es ermöglicht, ohne umständliche Konfiguration von Anfang an Windows-Programme zu starten und liefert zu diesem Zweck primär Wine als Windows-API-Emulator, DOSbox als DOS-Emulator und QEMU zur Virtualisierung mit. Wer sich schon einmal daran versucht hat, Wine aus dem Quellcode zu kompilieren und optimal zu konfigurieren, wird diese Bemühungen zu schätzen wissen.
Erwähnenswert vielleicht auch, dass SKBE wie sein Vater im Geiste auf Slackware basiert, einer der großen zwanzig Distros, die dafür berühmt ist, dass es die älteste noch aktive Distribution ist. 1993 gab es die erste Version davon und im Laufe der Zeit hat Slackware sich auf fast schon zutiefst menschliche Weise vollgestopft mit Leckereiein wo es nur ging und bringt dank des dadurch bedingten mehr als ordentlichen Zulegens heute bluthochdruckfördernde SECHS CDs in der Standard-Edition auf die Waage. Auch hier staubt SLAX also Vorschusslorbeeren ab für das Zurechtstutzen des durchaus effizienten Slackware-Systemkerns auf etwas annembarere Größe.Warten wir ab, wie es sich im Praxistest macht.
Installation: Bei der Initialisation nach Booten der CD gibt sich SKBE betont old school mit rasend schnell dahinziehenden Statusmeldungen und der Notwendigkeit, sich auf Kommandozeilenebene anzumelden. Verspieltes Detail übrigens, dass das root-Passwort nicht wie sonst standardmäßig “root”, sondern “toor” lautet. Wobei man nach dem Einloggen gleich noch die Chance nutzen sollte, mit xconf die beste Konfiguration für den X-Server testen zu lassen, ehe man selbigen mit startx aufruft. Wirklich installieren kann man SKBE leider nicht, es gibt zwar ein Skript dafür, das man unter Linux oder Windows aufrufen kann, welches jedoch nicht besonders unriskant ist und seit Ewigkeiten nicht mehr unterstützt wird. Die Empfehlung, doch lieber gleich Slackware zu installieren, wenn man versucht, den Installer in der Kommandozeile von SKBE selbst aufzurufen, spricht Bände.
Hardware-Erkennung: Wie wir mittlerweile gewohnt sind von Linux, konnte auch diesmal nichts schiefgehen. Ich sollte aber darauf hinweisen, dass die aktuelle Version schon etwas älter ist und deshalb noch keine Schreibzugriffe auf mit NTFS formatierte Festplatten erlaubt. Wenn nächstes Jahr die Final von SLAX 6 und im Zuge dessen auch eine neue KillBill Edition erscheint, sollte diese kleine Unannehmlichkeit sicherlich behoben sein.
Software: Leicht portierbare Programme mit bekanntem Namen sucht man vergeblich. Lustigerweise fangen mit Ausnahme eines Trios, bestehend aus dem Audio Player/Musik-Browser JuK, dem Archiver Ark und dem Feed-Reader Akregator, absolut alle Programme mit “K” an und sind für die in SKBE verwendete Desktopumgebung KDE geschrieben worden. Es wird ein nahezu umfassendes Set von KDE-Software geboten mit KWord, KSpreadsheet, KPresenter, KolourPaint, Kuickshow, KPDF, KPlayer, KMail, Konsole, KWrite, dem Brennprogramm K3b und natürlich dem famosen Messenger kopete, das für jeden mit nicht allzu exostischen Vorstellungen kaum noch Wünsche offen lassen sollte und die Vielschichtigkeit der für KDE verfügbaren Programme auf wahrlich eindrucksvolle Weise demonstriert.
Mir persönlich sind es schon fast wieder zu viele Programme, die man augenscheinlich ohne irgendeine Art von Paketmanager auch nicht ganz so einfach entfernen kann, aber das ist nur ein geringfügiger Kritikpunkt, genauso wie meine bereits bei Knoppix geäußerten Probleme mit der Multifunktionionalität von Konqueror, die sich hier hauptsächlich dadurch störend bemerkbar macht, weil es extrem viel praktischer wäre, wenn Bilddateien bei einem Doppelklick mit dem viel besser dafür geeigneten Kuickshow geöffnet und nicht direkt in Konqueror angezeigt werden würden. Ah well, gibt Schlimmeres.
Ungünstiger vor allem für Einsteiger macht sich bemerkbar, dass die so groß hervorgehobenen Wine, dosbox und QEMU nirgends einen eigenen Eintrag im K-Menü haben, sondern nur direkt per Kommandozeile aufgerufen werden können. Wenigstens sind EXE-Dateien von Anfang an auf Wine als Standardprogramm eingestellt und können per Doppelklick gestartet werden.
Die ersten zwei Stunden: Sonderlich Ungewöhnliches konnte ich bei SKBE nun wirklich nicht finden. In root liegen zwei kleine Verknüpfungen, eine zum Öffnen von Windows-Programmen - die durch die gerade angesprochenen Doppelklickfunktionalität überflüssig ist - und eine für das wahrscheinlich simpelste Netzwerk-Konfigurations-Programm der Welt, das verblüffend gut funktioniert. Der Großteil der anderen Programme war mir zumindest vom Hörensagen bekannt, und dass in nur 204MB und mit KDE eine derart lückenlose Softwareausstattung möglich ist, hat mich doch etwas erstaunt. Bonus desweiteren für acht jederzeit umschaltbare Tastaturlayouts, darunter auch eher ausgefallene wie Tschechisch und Brasilianisch, sowie die Verwendung von Kopete und JuK.
Fazit: Gut ausgewählte Zusammenstellung von KDE-baserter Software, die als Komplettpaket eine der besseren umfassenden DIstros ergibt. Insbesondere Umsteiger oder Neulinge sollten wertschätzen können, wie geordnet und übersichtlich SKBE gehalten ist. Dass die Windows-Emulation, die ja eigentlich das Hauptaugenmerk dieses Derivats sein soll, mehr unauffällig und im Hintergrund geschieht, ist streng genommen sogar ein weiterer Pluspunkt. Falls es in der hoffentlich Anfang 2008 erscheinenden Version 6 endlich eine sichere Möglichkeit zur Installation gibt, werde ich auf jeden Fall noch einmal hierauf zurückkommen und evaluieren, wie gut sich diese Distro für mich persönlich im täglichen Gebrauch eignet.
