Name: Zenwalk
Version: 4.8
Art: LiveCD/Normal
Homepage: http://www.zenwalk.org/
ISO-Größe: 473MB
Zu Zenwalk gibt es nicht wirklich viel Interessantes zu berichten und es hat leider auch keinen besonderen Bezug zu Zen. Insofern man nicht das Motto der Distribution, “Eine Mainstream-Anwendung für jedes Aufgabenfeld”, für eine hintergründige Zen-Weisheit hält, in welchem Fall ich die betreffende Person mit “HINTERGRÜNDIG? DAS IST ZENWAAAAAAAAAAAAAAAAAALK!” anschreien und in ein tiefes, tiefes Loch schubsen müsste. Ignorieren wir einfach diese nichtssagende Anspielung auf einen mittelmäßigen Film und bemühen uns, so schadlos wie möglich aus diesem Schlamassel wieder herauszukommen, okay?
Installation: Wie gewöhnlich steht man an dieser Stelle vor der Wahl zwischen dem reinen Benutzen der LiveCD und der normalen Installation von CD auf Festplatte, was bei Zenwalk ausnahmsweise nicht von ein und derselben CD möglich ist, sondern eine spezielle Installations-CD erfordert. Als kleines Trostpflaster bietet Zenwalk dafür aber auch wie TinyMe hübsche Ladebalken und eine umfassende Lokalisation in zehn verschiedenen Sprachen, zu denen germanophilerweise auch Deutsch gehört. Wer schon immer mal “GtkBälle” spielen oder per FTP Dateien zu einer “Gegenstelle” übertragen wollte, ist hier an der goldrichtigen Stelle.
Hardware-Erkennung: Wir sind nicht mehr in Knoppix, Toto - aber die Erkennung funktioniert fast genau so gut und unproblematisch. Vielleicht sollte ich diese Kategorie doch noch austauschen gegen eine, in der ich die grafische Gestaltung bewerte? Ach nein, ein paar Mal gab es hier ja doch einige Problemchen. Grr, und mein Netzwerk erkennt Zenwalk auch nicht. Was ist für eine Schlamperei? Fünfmal in Folge kein Problem und du zickst hier rum? Dich lass ich über die Planke springen, mijnjung.
Software: Sag mal, kennen wir uns nicht von irgendwoher? Abiword, IceWeasel, xarchiver, Thunar, Transmission, Gnumeric, GIMP, MPlayer, Pidgin, gFTP, Geany, Frozen Bubble, GParted - alles schon mal gesehen und das nicht deshalb, weil es keine besseren Programme für die jeweiligen Bereiche geben würde. Wäre doch etwas enttäuschend, nicht mehr als ein Best Of der zugänglichsten Programme zu finden, wenn nicht eine Handvoll interessanter Zusatzprogramme ein wenig eigenes Flair mitbringen würde wie der Downloadmanager ‘Urlgfe’, das halbwegs unterhaltsame Spiel ‘Circus Linux’ oder der ÜBER-Texteditor ‘Bluefish’ für Programmierer.
Problematisch meiner Meinung nach auch die Entscheidung für xfce als Desktop, der ein eher unausgegorenes Mittelding zwischen den ganz einfachen Fenstermanagern wie fluxbox oder JWM und den wirklich vollständigen Desktops vom Format eine KDEs oder GNOMEs darstellt. Doch man kann schließlich nicht alles haben.
Die ersten zwei Stunden: Ich will ehrlich sein. Meine Begeisterung für Zenwalk, dessen “Ein Programm für jede Aufgabe”-Konzept ich ziemlich cool fand, liess schlagartig nach, als ich entdecken musste, dass mir die vorhandenen Programme zu 95% bereits bekannt waren und ich sie zu einem beängstigend hohen Grad entweder persönlich nicht besonders toll fand oder bessere Alternativen kannte. Viel mehr als ein wenig halbherziges Herumstöbern war dann nicht mehr drin. Immerhin habe ich mir Urlgfe und Bluefish notiert, um sie gegebenenfalls später bei meinem Hauptlinux zu installieren. Und die von OS X entliehene Idee eines Docks mit den wichtigsten Programmen, das außerdem von manchen aktuellen Programmen anstelle eines Icons in der Taskleiste benutzt werden kann, hat auch etwas ziemlich Cleveres - das wird das einzige Positive sein, das ich zu xfce sagen werde.
Fazit: Insgesamt gibt es bei Zenwalk entschieden zu wenig, das es erkennbar von der rauen Masse der Distros abheben würde. Xfce mit einem Dutzend guter Programme kombinieren ergibt summa summarum nicht mehr als eine durchschnittliche Distribution. Schade eigentlich, denn dieser fantastische Name hätte ein erstklassiges Produkt verdient gehabt. Vielleicht, vielleicht nur ist Zenwalk aber doch auch ein wenig wie eine Zen-Weisheit und nur die wahrhaft Eingeweihten können es wirklich verstehen. Wer weiß?
